Durch die Wüste - von Umwegen und Gottes Wegzeichen

© Pixabay

Kerze anzünden kurze Stille

Wir feiern im Namen Gottes, des Vaters, und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Beten
Himmlischer Vater, wir kommen heute zu dir.
Voller Dankbarkeit für so vieles, das du uns schenkst.
Sommer, Sonne, Wärme, freie Zeit, Urlaub.
Freude, Gemeinschaft, Menschen, die uns lieben.

Aber da ist auch die ein oder andere Sorge.
Unsicherheit und manchmal auch Angst.
Angst, die uns die Kehle zuschnürt.
Sorge um unsere Welt, um unsere eigene Zukunft.

Wir kommen zu dir, weil du unsere Sehnsucht stillen,
und unsere Angst nehmen willst. Wir wollen auf dich hören,
uns Mut schenken lassen durch dein Wort.
In der Stille bringen wir vor Gott, was unser Herz bewegt.

Danke, dass du bei uns bist und uns hörst, und dass wir auf dich hören dürfen,
lieber Herr und Gott. Amen

Schriftlesung Exodus 13,17-22

Lied: 619,1-3 Du bist der Weg und die Wahrheit und das Leben

Predigt über Exodus 13,17-22

Durch die Wüste – von Umwegen und Gottes Wegzeichen

Die Wüste ist von alters her ein unheimlicher Ort
– menschenleer, karg, schweigsam, kahl. Lebensfeindlich.

Doch die Wüste ist auch ein Rückzugsort. Es gibt Wüstenklöster, wohin Menschen sich zurückziehen. Eben weil es dort so einsam und still ist. Weil einen so wenig ablenkt. Und man seine Gedanken fokussieren kann. Weil man dort für sich klären kann, wie es weitergeht. Auf dem Lebensweg.

Da lenkt einen keine Leuchtreklame ab. Da ist es nicht laut und hektisch.
Da achtet man auf den Kern, das Zentrum, auf das, worauf es ankommt.
So bietet die Wüste auch besondere Chancen: Zur Neuorientierung, zum Auftanken, zur Vergewisserung.

Das Volk Israel kennt die Wüste auch.
Sie sind der Sklaverei in Ägypten entronnen, aber dann 40 Jahre in der Wüste unterwegs. Sie lagern am Rande der Wüste und wissen: Da müssen wir durch. Es steht vor uns ein Weg: Voller Gefahren, Unsicherheit und Zweifel. Und eine ihrer großen Fragen lautete: Wird Gott auch jetzt bei uns sein? In der Wüste?

Da machen sie die Erfahrung, die in Exodus 13,20-22 steht:  

20 So zogen die Israeliten aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste. 21 Und Gott der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. 22 Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.

Durch die Wüste – von Umwegen und Gottes Wegzeichen, so heißt mein Thema heute. Zwei Aspekte möchte ich entfalten.

1. Sind Umwege immer sinnlos?
Der direkte Weg ins Gelobte Land ist den Israeliten versperrt. Das wäre die Route entlang der Mittelmeerküste. Aber sie führt durch das stark befestigte Gebiet der Philister. Das Volk Israel wäre in endlose Kämpfe verwickelt. Würde vielleicht besiegt und vernichtet. Darum mutet Gott ihnen den Umweg über die Wüste zu. Um sie zu schützen.

Vielleicht musstest du dieses Jahr auch Umwege zu gehen.

UMWEG – das Wort hat keinen guten Klang. Häufig sind Umwege beschwerlich, lästig, ärgerlich, verlangen einem viel ab.

Aber: Umweg = Irrweg? Nein, so einfach stimmt die Gleichung nicht!
Und sie ist ohne Gott gemacht.
Im Nachhinein hat das Volk Israel diese 40 Jahre durch die Wüste als heilsame Zeit angesehen. Denn sie machen unglaubliche Erfahrungen mit Gott: In der Wüste tut er Quellen für sie auf und lässt Manna regnen. Er bewahrt sie vor vielerlei Gefahren. Und Gott gibt ihnen mit den zehn Geboten wichtige Grundlagen, damit das Zusammenleben in der Freiheit gelingt.

All dies waren Erfahrungen auf Umwegen, auf Wüstenwegen. Doch sie waren so kostbar, dass sie Urerfahrungen des Glaubens wurden. Wegweisend bis heute.

Und damit sind wir bei uns und unseren eigenen Umwegen. Können wir uns richtig über Umwege aufregen? Ich schon.

Aber haben wir nicht auch schon erlebt, dass aus Umwegen Segenswege wurden?
Katja erzählt: „Als ich in der Schule sitzenblieb, war ich am Boden zerstört. Ich habe an mir selbst gezweifelt und war sehr traurig. Alles war in Frage gestellt. Aber dann habe ich in der neuen Klasse eine andere Lehrerin bekommen, die war wie ein Glückslos für mich. Ich war motiviert zu lernen und die Noten wurden immer besser. Sie hat mein Leben entscheidend geprägt“.

Für was etwas gut oder nicht gut ist, das stellt sich oft erst später heraus. Eine kleine Geschichte zeigt dies sehr deutlich:

Ein Bauer hatte nur wenige Äcker. Mit seinem einzigen Pferd schickte er jeden Tag seinen Sohn aufs Feld. Eines Tages lief der Gaul einfach weg.
„Ein Unglück“ riefen die Nachbarn des Bauern:
„Du wirst dein Feld nicht bestellen können. Nichts zu essen haben.“
Der alte Bauer blieb ruhig und sagte: „Woher wisst ihr, dass es ein Unglück ist?“
In der nächsten Woche kehrte der Gaul zurück und brachte zehn Wildpferde mit sich. „Was für ein Glück du hast,“ riefen die Nachbarn. Der Bauer blieb ruhig und sagte: „Woher wisst ihr, dass es ein Glück ist?“
Der Sohn des Bauern wollte eines der Wildpferde zureiten stürzte und brach sich ein Bein. „Was für ein Unglück du hast“ – riefen die Nachbarn.
„Woher wisst ihr, dass es ein Unglück ist“ – sagte der Bauer.
Dann kam ein Krieg, alle jungen Männer wurden zum Krieg eingezogen.
Nur der Sohn des Bauern nicht, weil er sich beim Sturz vom Pferd ein Bein gebrochen hatte. Glück oder Unglück?
Für was etwas gut ist oder nicht, das stellt sich oft erst später heraus.

2. Feuersäule und Wolkensäule – Gottes Wegzeichen:
„… und sie lagerten sich in Etam am Rande der Wüste“.

Wie oft fühlten wir uns in den letzten Monaten nach Nachrichten-sendungen wie „am Rande der Wüste“?! Wenn Corona die Welt lahmlegt. Wenn der Arbeitsplatz auf dem Spiel steht. Wenn man die Liebsten nicht mehr besuchen darf. Wenn man um die eigene Gesundheit Angst haben muss. Wenn die Grenzen zwischen Wahrheit und Lüge verschoben werden. 

Da kommt wieder Gott ins Spiel. Genauer gesagt: eine ganz neue Erfahrung mit Gott, die das Volk Israel macht.

Gott zeigt sich als Weg-Gott.
Nicht als weg-Gott, der weg ist, wenn’s ernst wird. Als einer, der in die Wüste mit hineingeht. Das war etwas noch nie Dagewesenes.

In den religiösen Traditionen der damaligen Zeit hatten die Gottheiten alle ihren festen Ort: eine Quelle, eine Höhle, ein Baum, ein heiliger Berg oder ein Heiligtum. Dort waren Götter anzutreffen und aufzusuchen. Aber sie waren eben auch statisch, an einen Platz gebunden. Unflexibel und leblos.

Aber nun erfährt das Volk Israel etwas umstürzend Neues: Unser Gott geht mit. Sogar mit in die Wüste hinein. Er bleibt in unserer Nähe. Was für ein Trost, was für eine Hoffnung: Auch dort, wo es unheimlich ist und gefährlich, bleibt Gott bei uns. Das verändert alles.

Und da kommen nun die Wegzeichen ins Spiel!
21 Und der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten.

Wo erleben wir Hinweise, auf Gottes Wegzeichen? Die uns vergewissern, dass Gott mit uns auf dem Weg ist?

Hier sind es WOLKEN.
Das Neue Testament spricht auch von der „Wolke der Zeugen“. Und das heißt ja: es gibt immer wieder Fingerzeige Gottes zu entdecken. Vielleicht sind wir Menschen begegnet, die ihr Christsein so leben, dass wir von ihnen motiviert und mit neuer Glaubenskraft angesteckt wurden.
Oder wir haben einen Bibelvers oder eine biblische Geschichte gelesen, die uns so richtig ermutigt haben oder getröstet. Oder wir haben einen Liedvers gehört, der unser Herz berührt und uns gestärkt hat.

Zur FEUERSÄULE.
In der Silvesternacht erleuchten viele Feuerwerke den Himmel. Ein grandioses Schauspiel. Doch nur für kurze Augenblicke. Gottes Feuerschein ist von anderer Qualität. Gottes Feuersäule kann auch Wüstennächte erleuchten. Als wir in Trauer versinken wollten… war er da. Als Sorgen uns umstellten… half er uns durch. Vielleicht erlebten wir da ganz konkret: „Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht. Es hat Zukunft und Hoffnung gebracht“.

Unser Thema, dieser Bibelabschnitt ist wie geschaffen für das Innehalten auf dem Weg, wie im Urlaub, wo wir etwas runterfahren können. Er gibt uns Denkanstöße mit. Und will unser Vertrauen auf Gott stärken. Dass wir nach seinen Wegzeichen in unserem Leben Ausschau halten.

Ich wünsche uns segensreiche Entdeckungen. Amen.

Fürbittengebet

Für wen möchte ich heute besonders bitten?
Welche Ungewissheiten begleiten mich?
Welche kleinen und großen Aufbrüche bringe ich vor Gott?
Wofür bin ich dankbar?

Vaterunser

Vertrauensstrophe:  EG 576

Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht,
auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.
Auf dich vertrau ich und fürcht nich nicht.

Segen

Hände wie eine Schale formen und sprechen:

„Der Herr segne dich und behüte dich, er behüte dich vor allem Bösen. Er behüte deinen Leib und deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang, von nun an bis in Ewigkeit. Amen.“

Musik / Stille - Kerze auspusten