Jesus war kein weißer Mann

© Inga Kaltschnee

Eine Freundin von mir war im Frühjahr in Brasilien. Als kleines Geschenk hat sie mir ein Bild von Jesus am Brunnen mitgebracht. Jesus begegnet in der Geschichte aus dem Johannesevangelium einer Frau am Brunnen (nachzulesen in Joh 4). Interessant an dem Bild ist, dass Jesus so ganz anders aussieht als in meinen Kinderbibeln. Bei uns ist das Bild eines weißen, manchmal sogar blond-haarigen, Jesus weit verbreitet. Eigentlich sollte es egal sein, welche Hautfarbe Jesus hat. Allerdings war Jesus nicht weiß und schon gar nicht blond.

In den unterschiedlichen Teilen der Erde wird auch Jesus unterschiedlich dargestellt. In einer asiatischen Darstellung sieht er ganz anders aus als in der brasilianischen oder eben in europäischen Darstellungen. Allerdings hat das Bild eines weißen Jesus stark die Oberhand, sodass die Menschen immer wieder vergessen haben, dass Jesus natürlich nicht weiß war. Daran kann mich das Bild meiner Freundin daran erinnern. Denn was die unterschiedlichen Darstellungen sagen wollen ist: Jesus ist einer von uns. Und das stimmt ja auch, denn Jesus sagt selbst, dass er uns in einem unserer geringsten Brüder oder Schwestern begegnet. Jesus begegnete den Menschen mit uneingeschränkter Zuwendung. So auch in der Geschichte mit der Frau am Brunnen. Jesus begegnet hier einer Samaritanerin, also einer Frau aus einer Gruppe, mit der die Jüdinnen und Juden eigentlich nichts zu tun hatten. Doch Jesus schaut nicht nach Geschlecht oder Volkszugehörigkeit, für ihn ist jeder Mensch wichtig und gleichwertig. Das nimmt auch Paulus später auf, wenn er sagt: Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus. (Gal 3,28

Ich merke oft, dass ich als junge Frau anders behandelt oder unterschätzt werde. So geht es auch Menschen, die nicht weiß sind oder Menschen, die mit einer Behinderung leben. Dagegen stellt sich Jesus. Er fordert uns heraus, unsere Vorurteile zu überdenken, weil für ihn jeder Mensch gleich wertvoll ist. Mir tut es gut, mich immer wieder daran zu erinnern. Denn vor Jesus und vor Gott zählt es nicht, wie ich aussehe, ob ich alt oder jung bin, ob ich eine Behinderung habe oder nicht. Gott stellt keine Menschen aufs Abstellgleis. Wie mit der Frau am Brunnen will Gott mit uns ins Gespräch kommen und uns von unseren Lasten befreien. Jesus bittet die Frau in Joh 4 ihm zu trinken zu geben und sagt schließlich zu ihr: „Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“

Das Bild hängt jetzt übrigens über meinem Schreibtisch und als das zweijährige Kind eines Freundes von mir es gesehen hat, hat es drauf gezeigt und sofort Jesus gesagt. Diesen unvoreingenommenen Blick wünsche ich mir und Ihnen.

Bleiben Sie behütet!

Ihre Pfarrerin Inga Kaltschnee

Über die uneingeschränkte Liebe Gottes, gibt es viele Lieder, hier der Link zu einem der Lieder:

God is good, and God loves everyone

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