Altar Martin-Luther-Kirche © Beate Ellenberger

"In die Zukunft" © Birgit Hertrich

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie geht es Ihnen heute? Was haben Sie erlebt in der vergangenen Woche?

Wenn es Ihnen gut tut, mal auf andere Gedanken zu kommen… Wenn Sie trotz der Isolationszeit nach Zeichen der Verbundenheit suchen… Dann könnte dieser Hausgottesdienst mit Kerze auf Ihrem Tisch Ihnen dabei helfen. Probieren Sie es einfach aus. Zum Glockenläuten etwa.

Wenn Sie möchten, wäre es nett, Sie würden diese Andacht (per Email, ausgedruckt oder am Telefon) weiterreichen an Menschen, die Ihnen und ihrer Kirche nahe sind.

Herzliche Grüße auch von meinen Kolleg*innen, die diese Andachtsreihe mitgestalten,

Ihre Pfarrerin Beate Ellenberger, Rommelsbach

P.S. Der Altar in unserer Martin-Luther-Kirche wird auch während dieser Zeit mit schönen Blumen geschmückt – von unserer Mesnerin Kerstin Weimar.

 

Haus-Gottesdienst am Sonntag Judika

29. März 2020

Pfarrerin Beate Ellenberger

Trotz Einschränkungen verbunden sein im Gottesdienst-Zuhause

 

Ankommen

Die Glocken läuten. Ich höre und schweige. Lausche und lasse ruhen, womit ich mich beschäftige. Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt.

Ich zünde eine Kerze an und spreche: Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.                                                               

Beten

Psalm 43 EG 724 Judika – schaffe mir Recht, Gott!

Lieber Gott, jeder ist bei sich zuhause. Und doch sind wir alle durch deinen Geist miteinander verbunden. Ich bringe dir im Gebet, was ich auf dem Herzen habe. Was mich schmerzt, was mich freut. Und an wen ich jetzt gerade besonders denke.

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet. Amen

Lied Holz auf Jesu Schulter (EG 97)

Holz auf Jesu Schulter von der Welt verflucht, ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehen. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

Predigttext Hebräer 13, 12-14 

„Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“

Liebe Leserin, lieber Leser,

innerhalb von kürzester Zeit hat sich der Alltag von uns allen komplett verändert. Die Schüler*innen und Lehrer*innen sattelten ganz schnell auf digitales Lernen um. Eltern sind im Homeoffice kümmern sich um Kinder und sorgen sich um die Großeltern. Wie umgekehrt auch. Wir haben es erstaunlich schnell geschafft uns umzustellen auf neue Kommunikationsformen neben dem bewährten Telefon. Die Zukunft hat uns eingeholt. Pandemien waren bekannt aus Horrorfilmen oder wenn wir die Nachrichten aus China gesehen haben. Aber jetzt ist der Virus tatsächlich auch bei uns angekommen. Die Straßen sind leergefegt. Was machen wir jetzt in den Zeiten, wo wir uns normalerweise begegnen? Jeder hat so seine eigenen Strategien in Krisenzeiten. Die einen verdrängen oder stürzen sich in Aktionismus. Andere ziehen sich zurück mit Sorgen und Existenzängsten. Manchen hilft ihr Humor und ihr Glaube. In vielen kommen die Sätze der Altvorderen wieder zum Klingen. Und manchmal sind es ein wenig von allem. Jedenfalls haben der Sonnenschein und die Frühlings-Boten wie Blüten und Vogelgezwitscher tapfer gegen den Corona-Blues angekämpft. 

Ich frage mich, wie das ist, den Satz zu hören: „Du gehörst jetzt zur Risikogruppe!“ Wir sorgen uns um die Menschen, die wir lieben, und um die, für die wir Verantwortung tragen. Wir wollen sie schützen. Dass Abstand dabei hilft, ist paradox. Dabei können wir mal Langzeitpatienten fragen, wie sie schon seit längerem leben mit Risiken und Nebenwirkungen leben. Wie haben es Menschen mit Behinderungen geschafft, länger mit Einschränkungen durchzuhalten? Und Menschen im Gefängnis haben die Verluste, unter denen wir leiden, mit ihrer Inhaftierung schon durchlebt. Unsere alten (Groß-)Eltern- auch wenn sie schon nicht mehr leben sollten, können uns daran erinnern, wie sie in Kriegszeiten den Verlust von lieben Menschen, Heimat und Besitz bewältigt haben. Wer keine Großeltern mehr hat, kann die Menschen in den Flüchtlingsunterkünften fragen, wie das ist. 

„Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ Ich fange jetzt manchmal an mir zu überlegen, was ich alles machen möchte, wenn diese Zeit vorbei sein wird. Egal wie lange das dauert, egal, wie schlimm es kommt – ich brauche eine Perspektive. Ob realistisch-vorsichtig oder kräftig-phantasievoll: Ich will mir ausmalen, wie wir wieder Feste feiern. Konfirmation und Klassentreffen. Dienstbesprechungen mit Anstoßen. Speckstein-Workshops für Trauerbewältigung. Viele fragen sich schon jetzt, wie sich unsere Gesellschaft dann verändert hat. Wie etwas von der Solidarität bleibt. Wie wir mutig geworden sind und wie die Medien mal so richtig sozial waren. Wie wir durchgehalten haben.

„Doch das Paradies ist verriegelt und der Cherub hinter uns; wir müssen die Reise um die Welt machen, und sehen, ob es vielleicht von hinten irgendwo wieder offen ist.“ (Heinrich von Kleist)

Lied EG 576 Meine Hoffnung und meine Freude meine Stärke, mein Licht: Christus, meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.

Fürbitten

Wir beten zu Dir Gott und bitten Dich für alle Menschen, die uns nahestehen. Für die, mit denen wir es schwer haben. Schenke uns Geduld. Sei nahe den Kranken und den Pflegenden. Gib den Politikern den Geist für Entscheidungen, die jetzt dran sind. Stehe denen bei, die anderen beistehen. Schick uns Deine Engel. Dir befehlen wir die Kinder an, die hätten getauft werden sollen. Die Jugendlichen, deren Konfirmation verschoben wird. Die Sterbenden und Trauernden aus unseren Gemeinden. Alles, was uns sonst noch am Herzen liegt, legen wir Dir ans Herz, wenn wir mit Jesu Worten beten: Vaterunser ….

Und bis wir uns wiedersehn, möge Gott seine schützende Hand über dir halten.

Segen

Hände wie Schale formen und sprechen:

Gott segne uns und behüte uns. Gott lass dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Gott erhebe dein Angesicht auf uns und gib uns Frieden. Amen.

Musik / Stille

Kerze auspusten

 

Über Regio-TV besteht die Möglichkeit an Gottesdiensten teilzunehmen. Am 28.03.2020 und am 29.03.2020 wird ein Gottesdienst mit dem Reutlinger Prälaten Dr. Christian Rose übertragen. Wir verweisen diesbezüglich auf die Homepage vom Evangelischen Kirchenbezirk Reutlingen.

Und wie jeden Sonntag übertragen ZDF oder ARD einen Gottesdienst.

Unsere Andachten und Hausgottesdienste sind zum Teilen gedacht. Ruf doch mal bei jemandem an und lass Deine Stimme hören. Das kann guttun, und dann fällt einem die Decke nicht auf den Kopf! Frag vorher vielleicht, ob das Ohr am anderen Ende das gerade hören kann. Jesus hat die Leute, denen er geholfen hat, auch erst mal gefragt: Was willst Du, was ich für dich tun soll?